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Dienstag, 20. Oktober, 2020
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Im Olympic National Park werden die Dämme abgerissen

Größtes Abrissprojekt in der amerikanischen Geschichte — Im Olympic National Park brechen die Dämme – ganz gewollt.

 

Olympic-Nationalpark (Foto Washington State Tourism)

Im Olympic National Park im US-Bundesstaat Washington wird seit September Geschichte geschrieben: der spektakuläre Abriss der Staudämme Elwha und Glines Canyon kennt in seinen Dimensionen nichts Vergleichbares auf der Welt. Mit den Renaturierungsarbeiten im Nationalpark wird in den kommenden Jahren der ursprüngliche Zustand des Flusses Elwha wiederhergestellt. Die Zahl der Lachse soll dann von 3.000 auf über 400.000 anschwellen und den Elwha wieder zu einem der produktivsten Laichgründe an der Atlantikküste machen. Auch für die Stämme der Klallam-Indianer brechen bessere Zeiten an. Ihre heiligen Stätten werden nicht mehr überflutet und ihre jahrtausendealte Kultur kann wieder blühen.

Elwhas Dämme brechen ein und neue Zeiten an. Nachdem US-Behörden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Staudämme wegen Baufälligkeit und Einsturzgefahr abreißen ließen, widmet man sich nun dem kolossalsten Rückbauprojekt dieser Art: Der Glines Canyon, der sich 21 km von der Mündung entfernt im Unterlauf des Flusses befindet und den man regional auch unter dem Namen Upper Elwha Dam kennt, ist mit seinen 64 Metern die höchste, jemals abgerissene Talsperre der Welt. So verwundert es auch nicht weiter, dass sich die beauftragten Unternehmen bereits lange im Voraus auf einen schwierigen Ablauf vorbereitet haben, denn auch sonst verlangt diese Herkulesaufgabe schier Übermenschliches von den Bauarbeitern ab: Ganze 18 Millionen Kubikmeter Erdreich müssen bewegt werden, um das Gebiet zwischen dem Olympic National Park und der Flussmündung in die Meerenge von Juan de Fuca bei Port Angeles zu renaturieren. Diese unvorstellbare Menge entspricht dem Fassungsvermögen von zwei Millionen Kippern oder der von sieben Cheops-Pyramiden. Seit Beginn des Projektes werden immer neue Aussparungen in den Beton der beiden Dämme geschlagen, damit Wasser und Sediment ablaufen können. Dabei müssen die Bauarbeiten äußerst behutsam vorangetrieben werden. Fließt das Wasser zu langsam, nimmt es kaum etwas vom Gemisch aus Sand, Geröll und Treibgut mit, welches sich in den letzten hundert Jahren in den künstlichen Seen Lake Mills und Lake Aldwell angesammelt hat. Schießen die Wassermassen allerdings zu schnell Richtung Meer, wirbeln sie das Sediment nur auf, anstatt es abzutragen.

Der Kongress beschloss die Renaturierung des Elwha 1997. Die Dammrückbauten werden drei Jahre in Anspruch nehmen und sind nur ein kleiner, wenn auch spektakulärer Teil eines groß angelegten Projektes, um ein einzigartiges Stück Natur wiederherzustellen. Denn vor 100 Jahren war der Fluss Elwha eines der größten Lachshabitate der Welt und beherbergte alle fünf Varianten des pazifischen Lachses sowie eine Vielzahl anderer Fischarten. Seit dem Bau der beiden Dämme 1910 beziehungsweise 1926 ist den Lachsen der Weg zu ihren Laichgründen aber versperrt. Zur Laichablage müssten sie den Fluss kilometerweit aufwärts schwimmen. Jedes Jahr suchen Tausende dieser Fische vergeblich nach einem Weg die Betonmauern zu überwinden. Damit soll nach der Wiederherstellung des Gebietes Schluss sein.

Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts steht den Lachsen ein 113 Kilometer langer Flusslauf bis hinein in den Olympic National Park offen. Forscher hoffen, durch den Dammrückbau, gezielte Fischansiedlungen und Neubepflanzungen die Lachspopulation auf 400.000 Exemplare anheben zu können. Die Rückkehr der Lachse wäre für die gesamte Umgebung von Vorteil. Die nach dem Laichen verendenden oder von Raubtieren geschlagenen Fische tragen Mineralien und Nährstoffe aus dem Ozean in sich, die so auch dem Fluss selbst und den umliegenden Wäldern zugutekommen.

Die Renaturierung musste langfristig vorbereitet werden. Schon Anfang 2010 wurden zwei neue Wasseraufbereitungsanlagen installiert, um die Städte in der Umgebung trotz des höheren Sedimentgehaltes im Grundwasser mit sauberem Leitungswasser zu versorgen. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Stamm der Klallam-Indianer werden die Gewässer wieder mit diversen Fischarten bevölkert. Zudem verpflichteten sich die Klallam dazu, fünf Jahre keine Fischerei zu betreiben, um den Beständen im Elwha Zeit zur Erholung zu geben. Und auch an den Tourismus wurde gedacht. Ein Teil der Dammkrone des Glines Canyon Damms bleibt erhalten und für Besucher begehbar. Von dort aus soll man aus 64 Metern Höhe auf eine – wieder – naturbelassene Schlucht blicken. Schon jetzt können Interessierte und Naturliebhaber die Bauarbeiten besichtigen und sich beim Parkpersonal über den Fortgang des Projektes informieren. Doch auch abgesehen davon ist der Olympic National Park (www.nps.gov/olym) immer eine Reise wert, denn in den dichten Wäldern rund um den schneebedeckten Mount Olympus (2.432 m) kann man zum Beispiel einzigartige Tiere wie den Roosevelt-Elch oder – mit ein bisschen Glück – sogar den Puma beobachten.

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