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Samstag, 24. Oktober, 2020
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Frank Gehry’s neuer Museumskomplex in Mississippi eröffnet

Tanzende Bauten für den „verrückten Töpfer“.

Ein ganzes Ensemble von Museumsbauten hat der kalifornische Stararchitekt Frank Gehry an den Strand von Mississippi gestellt. Das Ohr-O’Keefe Museum, dem „verrückten Töpfer von Biloxi“ gewidmet, ist seit dem 8. November offen für Besucher. Die Eröffnungsausstellung zeigt unter anderem Andy Warhol, Jun Kaneko und 85 Werke von George Ohr selbst.

Frank Gehry stellte seine fünf Bauten in einen Eichenhain am Sandstrand von Biloxi an der Golfküste von Mississippi. Die großen, alten Bäume „tanzen“ jetzt mit ihnen – und miteinander. „Das scheint wirklich der Fall zu sein, und damit bin ich sehr zufrieden,“ sagt Gehry. Nach einem langen Wochenende von Einweihungsveranstaltungen für geladene Gäste sind die Tore des Museum ab dem 8. November offiziell geöffnet.
Seine Naturverbundenheit und Sinn fürs Unkonventionelle teilt Gehry mit dem Künstler, dem das neue Architekturjuwel gewidmet ist: dem selbsternannten “Mad Potter of Biloxi“, George E. Ohr. Im Jahr 1857 als Sohn deutscher Einwanderer in Biloxi geboren, wurde der junge Ohr zunächst zum Handwerkstöpfer ausgebildet, der im elterlichen Betrieb Gebrauchsgegenstände herstellte. Schon bald aber nutzte er das Medium Ton zum künstlerischen Ausdruck, wurde so zu einem der führenden amerikanischen Modernisten, zum Vater des abstrakten Expressionismus in den USA. Inspiriert durch einsame Paddelboottouren über das Meer zur jetzigen Nationalparkinsel Ship Island schuf er Objekte, die wie das neue Museum zu tanzen scheinen. Vasen etwa, mit eingearbeiteten Falten, wie man sie in der alten, viktorianischen Kunstwelt noch nicht gesehen hatte und auch noch nicht so recht sehen wollte. Für die ländliche Bevölkerung war dies Grund genug, dem Pionier der abstrakten Kunst mit dem riesigen, markant nach links gewehten Schnauzbart, die selbst behauptete Verrücktheit gerne abzunehmen. George Ohrs Schaffenszeit dauerte bis 1910; er starb 1918. Nach seiner Wiederentdeckung in den 1960ern wurde er international zu einem Begriff; zählt seitdem zu den Klassikern der amerikanischen Kunst. Das Metropolitan Museum of Art in New York stellt Ohr permanent aus. Unter den Sammlern finden sich Namen wie Andy Warhol und Steven Spielberg. Die Familie O’Keefe aus Biloxi stiftete für das neue Museum einen Teil der Baukosten, die sich auf insgesamt 35 Millionen Dollar belaufen. Eingeweiht wurde der Kunsttempel jetzt mit dreien der fünf Gebäude; die restlichen zwei sind im Bau und sollen im Jahr 2012 fertig gestellt sein.
Neben Arbeiten von Ohr selbst zeigt das Ohr-O’Keefe Museum in wechselnden Ausstellungen auch Arbeiten von weiteren, auch zeitgenössischen Kunstschaffenden der heute weltläufigen Golfküste von Mississippi sowie Sonderschauen international renommierter Künstler. Zum Auftakt und noch bis zum 19. Juni 2011 sieht man Grafiken von Andy Warhol aus der Sammlung Cochran, darunter den „Superman“. Im selben Zeitraum zeigt das Museum auch Arbeiten des japanischen Künstlers Jun Kaneko, der heute in den USA lebt, so auch seine legendären Köpfe-Plastiken.
Das Museum umfasst neben den Galerien einen Museumsladen, ein kleines Café und einen Aussichtsturm mit Blick über tanzende Bäume und Bauten hinweg aufs Meer. Touristen finden in dem Gebäudekomplex ein neues Besucherzentrum. Das Museum ist montags bis freitags von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.

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