Die Erfindung der Cowboy Stiefel — heute sind sie Kult

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Cowboy Stiefel
Cowboy Stiefel

Kontrovers ist diese Art der Fussbekleidung allemal – von den einen mild belächelt, von den anderen als kultiges Schuhwerk mit Image verehrt, macht sich der Otto-Normal-Verbraucher so seine Gedanken, welchem Lager er vertrauen soll.

Und die Schuhindustrie? Sie lässt den spitzen Stiefel regelmässig wie Phoenix aus der Asche wieder auferstehen und pumpt die Ladenregale voll.
Aber kann man dem trauen oder wird man beim Tragen doch sofort Opfer eines Manta Witzes?

Andererseits hat ‚Kult Werner‘ ihn auch am Fusse! Und man braucht sich schliesslich nur mit den richtigen Freunden umgeben und schon ist das Selbstbewusstsein wieder Herr der Lage… was wissen Grossstadt-Yuppies schon vom richtigen Leben? Oder haben sie recht ? Ist ein Cowboy Stiefel albern, was immer die Modeindustrie gerade sagt? Ist er zeitlos?

Woher kommt der Schuh eigentlich, wer hat ihn erfunden und wichtig: welche image-trächtigen Zeitgenossen tragen ihn heute?

Nachdem der amerikanische Bürgerkrieg geende hatte, begann die Ära der Cowboys, jener Männer, die die bis dato mehr oder weniger regionalen Vieherden über hunderte von Meilen an Ihren Bestimmungsort brachten. Viele der Männer waren ehemalige Soldaten, die nun als Cowboy ihren Lebensunterhalt verdienten. So war es naheliegend, dass auch ihre Kleidung und ihr Schuhwerk aus Armeezeiten resultierte.
So waren die Stiefel mit ihrer Form nicht optimal zum Reiten geeignet, vorne zu breit und der Absatz zu flach. Der unbewusste Schrei nach dem Cowboy Stiefel, der die meiste Zeit seines Daseins zu Pferde verbringen sollte -oder im Saloon- war ausgestossen.

Zwar wurden in den Jahren nach dem Bürgerkrieg weiterhin Stiefel hergestellt -der Cowboy musste also nicht auf Armeebestände zurückgreifen- aber die Form und Zweckmässigkeit liessen noch zu wünschen übrig:
es wurde sich einfach zu stark an die alten runden Formen.

Erfindung der Cowboy Stiefel

Und diese sagt man einem Schuster aus Kansas nach: dem Deutschen Charles H. Hyer und seinem Bruder Edward Hyer, Söhne eines deutschen Einwanderers, der um 1850 in die USA kam. Charles wurde 1852 geboren und lernte das Schuhmacher Handwerk von seinem Vater.

Anfang bis Mitte der ’70er Jahre zog es Charles von Illinois nach Kansas, genauer gesagt in das Städtchen Olathe. Er lehrte an der Taub-Stummen Schule das Handwerk der Lederverarbeitung. Außerdem war er der Meinung, dass sich auch ein Schuster-Laden lohnen könnte, dies war so 1875/1876. Er fragte seinen Bruder, ob er ihm helfen würde und so zog auch Edward nach Olathe.

Die Firmen-Geschichte des Schustergeschäftes erzählt von einem unbekannten Cowboy, der unzufrieden mit seinen bisherigen Stiefeln eines Tages zu Charles ins Geschäft kam und sich Mass-Stiefel mit einer bis dahin unbekannten Form anfertigen lassen wollte. Sie sollten vorne spitz zulaufen, damit man schnell und einfach in den Steigbügel rutschen konnte. Der Absatz sollte höher gezogen werden, damit man sich im Steigbügel verankern konnte. Charles befand die Idee für gut und so entstand das der Geschichte nach erste Paar echter Cowboy-Stiefel.

Der unbekannte Cowboy sorgte für die notwendige Mundpropaganda und die Nachfrage stieg.

1880 entschieden sich Charles und Edward, sich auf die Boot-Herstellung zu spezialisieren und sie gründeten die später in die Geschichte eingehende Firma ‚Hyer’s Boot Company‘.

Die Brüder stellten vorwiegend Handwerker aus Deutschland, Schweden, Polen und anderen nordeuropäischen Ländern ein. Ab den 1890ern Jahren führte Charles die Firma dann alleine, nachdem sein Bruder ausschied. Charles wollte seine Produktion noch weiter ausweiten und begann im Westen herumzureisen, um seine Stiefel bekannter zu machen. Auch führte er den Katalog-Versand für seine Ware ein. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1921 erreichte die Produktion ca. 15.000 Paar Stiefel pro Jahr. Seine Söhne führten den Betrieb bis 1977 fort – längst war der Name Hyer schon zu einer Legende geworden.

1977 wurde verkauft an die Ben Miller Company in El Paso, Texas. Den Geist der alten Tage aber will die Olathe Boot Company weiterleben lassen, die einige der ehemaligen Hyer Handwerker einstellte und heute noch im Geschäft ist Bekannte Namen wie Buffalo Bill Cody, Clark Gable, Gene Autrey, Will Rogers, Ken Maynard und U. S. Präsidenten wie Teddy Roosevelt und Calvin Coolidge und Dwight Eisenhower trugen Hyer-Stiefel.

Heute sind es Stars der Movie- und Pop-Welt wie Madonna, ‚The Boss“ – Bruce Springsteen und Arnold Schwarzenegger, die den Western-Look in Windeseile retour bringen. Aber auch Politiker wie Clinton, Reagan und Bush zeigen Leadership in Sachen spitzer Fussbekleidung. Der Cowboy Stiefel ist heute natürlich in allen Höhen und Lederarten zu bekommen.

Schlangenleder muss es wirklich nicht sein, absetzen vom Normalbürger kann man sich mit aufwendig eingenähten Mustern – nur: wer toppen will, sollte schon ‚Ostrich‘ Leder, also Straussenleder, wählen, die elitäre Art Cowboy Stiefel, mit der man sich im Club der Ölbarone getrost sehen lassen kann…

 

Einige Cowboy Stiefel Marken